Verein Hospizarbeit Springe e.V.
Verein Hospizarbeit Springe e.V.
Ein würdiges Leben bis zuletzt
ein würdiges Leben bis zuletzt

Hospizbüro



Ab 01.12. 2017:

An der Bleiche 14 a

31832 Springe

 

Sprechzeiten
Dienstag 16-18 Uhr

 

Donnerstag 9-11 Uhr
und nach Vereinbarung

 

Tel.: 05041 649595 (AB)

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Hospizarbeit...und wie ich dazu gekommen bin

21.12...Vorsorgeuntersuchung... wir haben da was gesehen... 23.12 positive Bestätigung... bösartiges Karzinom ... OP.... gestreut... Lymphknotenmetastase... Chemotherapie...

Betrachtung meines bisherigen Lebens...was kommt...wie geht es weiter...wann ist es soweit... bald... nein ich hab noch Zeit...RH.... immer wieder die gleichen Frage- und Gedankenspiele... Wiedereingliederung ins Berufsleben...

Kurs im Hospizverein Springe... ja das ist was für mich... ich bin dabei. nette, liebe, aufgeschlossene und insbesondere - erfahrungsgemäß ehrliche Menschen...

Vertrauen... miteinander Zeit verbringen... für einander und für andere da sein... wenn du magst auch für DICH!

Jörg Bohn, 53 Jahre alt, verheiratet drei Kinder

...und ein Hund

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"Das Zeithaben bezeichnet den Inbegriff aller Wohltaten, die ein Mensch dem anderen erweisen kann. Wenn ich jemandem meine Zeit wirklich schenke, dann schenke ich ihm damit das Eigentlichste und Letzte, was ich überhaupt zu verschenken habe, nämlich mich selbst." (Karl Bath)

...und doch ist es so, dass ich mich selbst von dem Anderen so beschenkt fühle. Hier bei ihm, oder bei Ihr darf ich sein und komme zur Ruhe, weil mir immer wieder bewusst wird durch den Sterbenden, was das Eigentliche das Wichtigste für mich im Leben ist. Ich fühle mich beschenkt, jede Begleitung, jeder Besuch erinnert mich daran und jeder Tag den ich erleben darf wird zum Geschenk. In der Hektik des Alltags geht das Eigene so oft verloren und nach jedem Besuch fühle ich - mich - wieder.

Hospizbegleiterin

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Kennengelernt habe ich Frau F. Anfang April als sie zur Kurzzeitpflege war. Sie hatte Kehlkopfkrebs und schon mehrere Strahlen- und Chemotherapien hinter sich. Als ich sie zum ersten Mal traf, lag sie in ihrem Bett, war schwach, schlief viel und es fehlten ihr die Haare. Sie fragte mich, warum ich "so etwas" überhaupt machen würde, ihr wäre das zu langweilig. Doch ich durfte bleiben und bin die nächsten Tage sehr oft bei ihr gewesen. Leider wohnten íhre 3 Kinder weit entfernt und somit bekam sie selten Besuch. Da ich glücklicherweise in der Nähe des Pflegeheims wohne, konnte ich sie, wann immer ich Zeit hatte, besuchen. Als es ihr nach einigen Tagen etwas besser ging, besorgte ich einen Rollstuhl und wir konnten raus gehen. 

Daraus wurde in den nächsten Wochen eine Selbstverständlichkeit. Ich besuchte sie fast täglich. Mal wurde sie im Rollstuhl geschoben, mal versuchte sie nebenher zu laufen und letztendlich saßen wir immer auf einer Bank, und sie erzählte mir viel, mal mit Lachen, mal mit Tränen. Auf Essenszeiten mussten wir keine Rücksicht nehmen, denn Frau F. wurde künstlich ernährt. Und sie genoss diese Zeit, sie freute sich auf meine Besuche und sagte mir das auch. Doch auch ich bin sehr gerne zu ihr gegangen. Auch für mich war das eine gute Zeit. Eine Zeit, die mir viel gegeben hat und die gemeinsamen Spaziergänge haben mich in diesem stressigen Alltag zur Ruhe kommen lassen.

Natürlich waren nicht alle Tage gut bei ihr. Zwischendurch bekam sie immer mal wieder hohes Fieber oder fühlte sich schlapp. Doch nach 5 Wochen war die Kurzzeitpflege vorüber. Gemeinsam mit ihrer Familie beschloss sie, dass sie erst einmal in ihr Haus zurück geht und sich in Ruhe einen Platz in einem Seniorenheim suchen wollte. Das war Mitte Mai. Bis Anfang November hatte sie dann verschiedene Pflegekräfte, die Tag und Nacht in ihrem Haus waren. Das gab der Familie Sicherheit. Da das Zuhause von Frau F. nun allerdings von mir weiter entfernt war und ich sie in guten Händen wusste, wurden meine Besuche weniger. Vielleicht 1 mal die Woche oder auch mal erst nach 2 Wochen. Doch wir hielten immer telefonischen Kontakt.

Als die Zeit der häuslichen Pflegekräfte vorbei war und sie sich noch für kein Heim entschieden hatte, mussten weitere Maßnahmen ergriffen werden, z.B. Pflegedienst, Haushaltshilfe, Notruf, Essen auf Rädern (inzwischen versuchte sie wieder zu essen, wenn auch sehr, sehr wenig). Auch meine Besuche wurden nun wieder häufiger. Und so verging Weihnachten und Silvester und inzwischen hatte Frau F. Ihren 70. Geburtstag gefeiert. Doch plötzlich ging es mit ihr bergab.

Sie konnte nicht mehr essen, war nur noch schlapp und magerte sehr ab. Sie war mit ihrer Kraft am Ende und wollte ins Hospiz. Das war Anfang Februar. Das war der Tag, an dem ich noch einmal für sie da sein konnte. Ihre Kinder waren nicht vor Ort und mit Hilfe des Pflegedienstes brachte ich sie spontan ins Hospiz und kümmerte mich um Dinge, die erledigt werden mussten. 9 Tage lebte sie noch im Hospiz und dann war es vorbei. Ich bin dankbar, dass ich Frau F. bis zuletzt begleiten durfte.

Barbara Genschick